Europa verwirrt nicht, es erweitert

Vor ein paar Wochen wurde im Bayerischen Landtag heiß über Flaggen diskutiert. Nicht über die Regenbogenflagge - sondern über die Europa-Flagge. Ein Abgeordneter sprach dabei von „Identitätsverwirrung“, wenn neben der bayerischen auch die europäische Flagge weht. Ihr könnt euch denken, wer da wieder Angst um die Heimat hatte.

Zum Glück war die Antwort der demokratischen Fraktionen klar: Europa ist kein Widerspruch zu Bayern, sondern eine Erweiterung.

Ich finde gerade das Argument rund um Identität spannend. In Krisenzeiten suchen Menschen nach Orientierung und greifen zu Begriffen wie Identität als Anker. Doch Identität ist kein starres Entweder-oder. Wir sind oft vieles zugleich: Bayerin und Europäerin. Bergfan und Bücherwurm. Team Pizza Diavolo und Team veganes Eis.

Identitäten sind vielschichtig und lebendig und geben gerade deshalb Halt, weil sie uns mit mehr als nur einer Welt verbinden. Die europäische Identität ist keine abstrakte Überformung lokaler Kultur. Sie wächst aus ihren Teilen; enthält Bayern genauso wie die Toskana oder Lappland. Sie richtet sich nicht gegen das Regionale, sie durchdringt es.

Gleichzeitig steht sie für etwas Eigenes: Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, kulturelle Offenheit und ein Miteinander über Grenzen hinweg. Das sind keine fremden Werte, sondern genau das, was auch Bayern ausmacht. Sich auf europäische Identität zu berufen heißt nicht, etwas aufzugeben, sondern Zugehörigkeit zu erweitern.

Wer meint, Europa würde uns verwirren, unterschätzt die Menschen - und die Kraft unserer Identität. 💜

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